Schwangerschaft durch Sex wird aussterben. Davon ist Vlastimil Weber überzeugt. Er ist Genetiker in der Gennet Klinik in Liberec, Tschechien. Unter dem Mikroskop befruchtet er Eizellen. Mit einer Pipette saugt er ein Spermium auf. Dann piekst er mit der Spitze in die Eizelle, wartet wenige Sekunden. Fertig. Schon widmet er sich der nächsten Eizelle. Zehn schafft er in fünf Minuten.
Die Gennet Klinik in Liberec ist spezialisiert auf Reproduktionsmedizin, auf die verschiedenen Verfahren künstlicher Befruchtung. 350 Paare wurden hier im vergangenen Jahr behandelt. Rund die Hälfte davon kämen aus Deutschland, schätzt Weber. Sie reisen nach Tschechien, um eine Eizellenspende zu bekommen. In Deutschland ist dieses Verfahren verboten.
Für viele Frauen ist eine Spende die letzte Hoffnung, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Frauen, die frühzeitig in die Wechseljahre kamen. Frauen, die eine Chemotherapie hinter sich haben. Oder Frauen, bei denen andere Verfahren künstlicher Befruchtung erfolglos blieben. Etwa tausend Betroffene jährlich suchen Hilfe im Ausland, schätzt Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands. Er fordert eine Lockerung des Embryonenschutzgesetzes: „Wir möchten die Eizellenspende auch in Deutschland haben.“

Mit einer Pipette wird das Spermium in die Eizelle gepiekst: Weber beobachtet am Monitor, was unter dem Mikroskop passiert
Bei der Behandlung wird die Eizelle einer fremden Frau im Labor befruchtet. Das Spermium, das Vlastimil Weber in den Zellkern piekst, ist das des Lebenspartners der Kinderwunsch-Patientin. Bis zu sechs Tage lagern diese befruchteten Eizellen bei 37 Grad im Brutschrank. Dann werden zwei der kultivierten Zellen, die Blastozysten, der Frau mit Kinderwunsch eingepflanzt. Sie wird die biologische Mutter des Kindes sein; den genetischen Code hat das Kind von der Spenderin. Gegen diese gespaltene Mutterschaft gibt es in Deutschland moralisch-ethische Vorbehalte. Deswegen ist die Eizellenspende verboten.
23.000 Kronen, knapp 900 Euro, zahlt die Klinik in Liberec den Spenderinnen der Eizellen, zumeist Frauen aus Tschechien, Serbien oder Kroatien. Die Nachfrage nach Eizellen ist höher als das Angebot. „An Eizellen kommt man nicht so ohne weiteres“, sagt Hilland. Der Handel damit sei ein potentielles Geschäft, die Ausbeutung von Spenderinnen ein Problem. „Das wird sich erst ändern, wenn auch in Deutschland die Eizellenspende legalisiert wird.“
Links zum Thema:
Die Kinderwunschseite: Informationsplattform für Betroffene
www.wunschkinder.net
Selbsthilfegruppe für Frauen ungewollter Kinderlosigkeit
www.wunschkind.de
Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands
www.repromed.de