Stichwort: Abtreibungstourismus
Im katholischen Polen haben Frauen, die abtreiben wollen, schlechte Karten. Im Sozialismus wurden Abtreibungen hier noch in öffentlichen Krankenhäusern kostenlos durchgeführt. Doch seit 1994 ist der Schwangerschaftsabbruch illegal. Nur wenn sie durch eine Vergewaltigung schwanger wurden oder ihre Gesundheit durch die Geburt bedroht ist, dürfen Polinnen abtreiben.
Viele von ihnen treibt es daher nach Deutschland, wo die Abtreibung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft straffrei ist. „Wir behandeln alle gleich und unterscheiden nicht nach Nationalitäten“, sagt Birgit Stein von der Schwangerschaftsberatung Niesky bei Görlitz. „Die Frauen sind doch überall in der gleichen Situation.“
Knapp 600 Euro kostet ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland. Zuvor ist ein Termin bei einer Beratungsstelle Pflicht. Hat die Schwangere erst einmal den Beratungsschein, muss sie drei Tage warten, dann kann sie eine Klinik aufsuchen. Das Gesetz fordert die Bedenkzeit.
In Polen droht Frauen wie Ärzten dagegen eine empfindliche Strafe für den illegalen Abbruch. Dennoch bieten manche Ärzte gegen entsprechendes Honorar Schwangerschaftsabbrüche an. Verschlüsselte Anzeigen im Internet weisen häufig den Weg zu solchen Privatkliniken: „Wir helfen ihnen, ihre Menstruation wieder zu bekommen.“ Die betroffenen Frauen verstehen.
Hanni Heinrich