Es ist Sommer 2010. Irgendwo im Niemandsland zwischen Zittau und Görlitz an der Bundesstraße 99. Dort hinten liegt Polen, rechts daneben Tschechien. Zwölf junge Reporter haben hier Stellung bezogen. Sie schlafen auf Bäumen, suchen nach Wölfen und jagen ein Phantom. Auf „15° Ost“ erzählen sie Geschichten von Angst und Verfall. Aber auch von Hoffnung und Neubeginn.
Editorial
Alle Artikel
Dreh-Ort
Görlitz, das neue Hollywood
15. Meridian
Auf Zeitreise
Wächterhäuser
Gegen den Verfall
Künstliche Befruchtung
Tschechische Gene, deutsche Mama
Vertreibung
Kein schöner Land
Kulturinsel Einsiedel
Der Waldkönig
Artenschutz
Die Wolfs-AG
Opeltuning
Deutsche Jungs, deutsche Autos
Einwanderung
Die Seele der polnischen Griechen
Sorbische Minderheit
Spiel im Abseits
Ein Leben als Nonne
Schuldlos glücklich
Rentnerparadies Görlitz
Die neuen Alten
Die Armenstollen von Walbrzych
Mit bloßen Händen
Deutsch-Ossig
Bald wieder Kohle?
Herrnhut
Das frömmste Dorf in Sachsen
Grenzkriminalität
Die Angst wohnt nebenan
Glas Ost
Hart an der Grenze
Video
Das Phantom von Görlitz
Dreiländerquiz
Sind Sie ostkundig?

15° Ost“: Der offizielle Trailer (Video: Anna Hunger; Musik: „le Hawaii intérieur“ von Fouxi)


„Görlitz ist die schönste Stadt Deutschlands“, sagt Gottfried Kiesow, der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Aber die Stadt, durch die der 15. Längengrad Ost verläuft, ist mehr: Es ist die östlichste Stadt Deutschlands und das kulturelle Zentrum einer Region, in der die Menschen noch bis vor kurzem durch Grenzposten voneinander getrennt waren.

Nacht im polnischen Zgorzelec (Foto: Antonia Zennaro)

Shopping in Liberec (Foto: Eric Vazzoler)


Seit Polen und die Tschechische Republik zur Europäischen Union gehören, wächst auch hier zusammen, was zusammengehört. Langsam zwar, aber stetig. Immer mehr Brücken werden zwischen den drei Ländern gebaut. Nicht nur steinerne, auch soziale und kulturelle wie das Görlitzer Altstadtfest, das jedes Jahr auf der Fußgängerbrücke stattfindet, die Görlitz und seinen polnischen Zwilling Zgorzelec verbindet.

Die Zentren Görlitz/Zgorzelec und Liberec sind Knotenpunkte der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Hier mischen sich Sprachen, Kulturen und Mentalitäten. Und hier, in den Grenzstädten des Dreiländerecks, in dem es keine Grenzen mehr gibt, hat der Tourismus begonnen Fuß zu fassen.

All das war Grund genug für uns, einmal genauer hinzuschauen. Wir haben die Grenzlandschaft entlang der oberen Neiße erkundet und Erstaunliches entdeckt. Wir waren Wölfen auf der Spur, haben auf Bäumen geschlafen und wunderten uns, warum die „schönste Stadt Deutschlands“ so ausgestorben wirkt.

Das Rathaus von Liberec, errichtet vom Wiener Architekten Franz von Neumann (Foto: Eric Vazzoler)

Denn während östlich der Neiße die Wirtschaft boomt, kehren viele junge Einwohner der Oberlausitz den Rücken. Die neuen Görlitzer sind alt: Senioren aus dem Westen schätzen die günstigen Mietpreise und retten die Altstadtvillen vor dem Verfall. Während sich auf polnischer Seite die Kohlebagger noch immer täglich tiefer in den Boden fressen, ist auf deutscher Seite der Braunkohle-Bergbau einem Badesee gewichen.

Während unserer Recherchen wohnten wir im beschaulichen Zisterzienserinnen-Kloster St. Marienthal, in dem tagsüber die Nonnen den Kräutergarten hegen und nachts die Grillen an der Neiße zirpen. Vier kräftige Schwimmzüge von Polen entfernt.

„Reporter Reisen“ ist eine Magazin-Reihe der Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl, die in diesem Jahr zum ersten Mal als Online-Magazin erscheint. Reisen Sie mit uns ans östliche Ende Deutschlands. Wo der 15. Meridian die Zeit teilt. Wo sich die Abendsonne im Neißewasser spiegelt und die Wölfe heulen.

Die Neiße: Talsperre im tschechischen Jablonec nad Nisou (Foto: Holger Fröhlich)



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